Brot für die Welt: Die Politik blendet die enormen Kosten ihres Nichtstuns aus

 

(Berlin, 25. Juli 2019) Angesichts steigender Hungerzahlen mahnt Brot für die Welt mehr Einsatz gegen den Klimawandel an. Zum dritten Mal in Folge hat sich die Zahl der weltweit Hungernden erhöht auf jetzt 821 Millionen Menschen. Eine Hauptursache ist der weltweite Temperaturanstieg. Extremwetterereignisse, Überschwemmungen und Dürren vernichten immer öfter die Lebensgrundlage vieler Menschen und untergraben Chancen auf Entwicklung. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: „Die Folgen des Klimawandels treffen vor allem die Menschen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, und sie treffen sie in ihrer Existenz. Sie verfügen über die wenigsten Ressourcen, müssen aber gigantische Kosten tragen, um Katastrophen zu bewältigen und ihre Lebens- und Wirtschaftsweise den neuen Bedingungen anzupassen.“ Internationale Unterstützung von den Verursachern des Klimawandels bekommen sie dabei nur ungenügend.

„Die Weltbank hat 2017 in einer Studie für die deutsche G20-Präsidentschaft errechnet, dass Extremereignisse wie Wirbelstürme, Starkregen, Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen sowie die Verschiebung von Jahreszeiten weltweit Vermögensverluste von inzwischen mehr als 300 Milliarden US-Dollar jährlich verursachen“, rief Cornelia Füllkrug-Weitzel in Erinnerung. „Die Kosten des Klimawandels, die weltweit entstehen, wenn nichts getan oder weiter gezaudert wird, werden aber ausgeblendet. Auch im eigenen Land entstehen jährlich immer höhere Kosten für die klimabedingten Hitze-Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, Wasserversorgung, Binnenschifffahrt und so weiter– nicht zu reden von den Flutregionen in Bayern, an Donau, Elbe und Oder, am Rhein. Wenn der Klimawandel nicht rasch gebremst wird, werden diese Kosten die öffentlichen Haushalte immer stärker belasten. Statt diese Kosten der Öffentlichkeit offen zu legen, werden aus parteitaktischen Gründen die Strukturanpassungskosten in Kohlebergbauregionen zu einem kaum zu bewältigenden Problem hochstilisiert. Man schiebt den Kohleausstieg und andere dringend erforderliche Maßnahmen, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, immer weiter nach hinten.“

Um den weltweiten Temperaturanstieg zu begrenzen, ist eine schnelle Senkung der CO2-Emissionen der zentrale Hebel. Es brauche ein Klimaschutz-Sofortprogramm und einen verbindlichen Reduktionspfad für alle Sektoren, sowie eine ehrliche Bepreisung aller CO2-Emissionen und einen zügigeren Einstieg in den Kohleausstieg. „Dass die Ausstiegs- und Veränderungsszenarien sozial, fair und gerecht gestaltet werden müssen, ist für uns keine Frage. Das gilt sowohl im eigenen Land wie weltweit“, so Füllkrug-Weitzel. „Die Bundesregierung muss endlich einen klaren Kurs einschlagen. Die Kosten des Klimawandels, die weltweit und bei uns entstehen, wenn nichts getan oder weiter gezaudert wird, werden von der Politik ausgeblendet. Je weniger wir heute gegen den Klimawandel tun, umso teurer kommt er alle zu stehen.“

Seenotrettung

Mit Blick auf die Debatte um die Seenotrettung sagte Füllkrug-Weitzel bei der Präsentation der Jahresbilanz in Berlin: „Dass man Menschen auf dem Weg nach Europa absichtsvoll, nämlich zur Abschreckung, sterben lässt, ist ein humanitäres Armutszeugnis für die EU. Damit verrät sie die Werte und Ziele, um deretwillen sie gegründet wurde. Es bedurfte der Zivilcourage der jungen Kapitänin Rackete, dass wenigstens eine gesellschaftliche Debatte über Migration und Menschlichkeit angestoßen wurde.“ An die Bundesregierung gerichtet sagte sie: „Die Kooperation mit der libyschen Küstenwache muss beendet werden. Lassen Sie nicht länger zu, dass Bootsflüchtlinge völkerrechtswidrig an ihre Peiniger in libyschen Lagern zurücküberstellt werden, wo ihnen jeglicher Schutz verweigert wird.“

Einnahmen und Ausgaben

Brot für die Welt hat die Spenden und Kollekten im vergangenen Jahr um 1,8 Millionen Euro oder 2,9 Prozent auf 63,6 Millionen Euro steigern können. Das ist das viertbeste Spendenergebnis seit der Gründung des evangelischen Hilfswerks vor 60 Jahren.

Neben Spenden und Kollekten erhielt Brot für die Welt Mittel des kirchlichen Entwicklungsdiensts (55,7 Millionen Euro) sowie staatliche Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ; 168,3 Millionen Euro). Insgesamt standen Brot für die Welt 307 Millionen Euro (2017: 282 Millionen Euro) zur Verfügung. Das ist ein Plus von knapp neun Prozent.

Brot für die Welt hat 2018 auch mehr Mittel für die weltweite Arbeit eingesetzt: Die Ausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahr um 27,8 Millionen Euro oder zehn Prozent auf rund 305 Millionen Euro an. Neu bewilligt wurden 726 Hilfsprojekte, darunter haben Projekte zur Ernährung und ländlichen Entwicklung den größten Anteil. Hier spielt die Anpassung an den Klimawandel eine zunehmend wichtige Rolle. Auf Projektausgaben entfielen insgesamt 91,2 Prozent aller Mittel. Die Ausgaben für Verwaltung lagen bei 6,2 Prozent, für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit wurden 2,6 Prozent der Mittel aufgewendet.

Brot für die Welt ist das Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen. Einschließlich der neu bewilligten Projekte förderte das evangelische Hilfswerk im vergangenen Jahr mehr als 1.500 Projekte in 90 Ländern.