Klima: Fossile Energieträger

 

EnBW reizt Russlandgeschäft bis zum Schluss aus, RWE verzeichnet obszöne Krisengewinne: urgewald fordert Ende der schmutzigen Geschäfte

EnBW hat insbesondere das zweite Quartal 2022 genutzt, um noch möglichst viel russische Kohle vor Inkrafttreten des EU-weiten Embargos zu bunkern. Die wegfallenden Mengen russischer Kohle sollen im zweiten Halbjahr 2022 vor allem durch Lieferungen aus Kolumbien, den USA und Südafrika ersetzt werden – seit mehr als zehn Jahren ist bekannt, dass die kolumbianischen Kohleproduzenten Umwelt und Menschenrechte mit Füßen treten. RWE profitiert stark von gestiegenen Energiepreisen und investiert trotz der fortschreitenden Klimakrise in den Kauf des niederländischen Gaskraftwerks Magnum und listet fossiles Gas weiterhin als grüne Erzeugungskapazität.

Weniger Licht. Mehr Erleuchtung

Sowohl in Hamburg (“Hamburg Werbefrei”) wie in Berlin (“Volksentscheid Berlin Werbefrei”) gibt es Initiativen, die der Bevölkerung ein Verbot von Leuchtreklamen zum Entscheid vorlegen wollen. Neben einer substanziellen Energieeinsparung nimmt ein Verbot die Überkommerzialisierung im öffentlichen Raum zurück, vermindert die insekten- und vögelgefährdende Lichtverschmutzung und verbessert die Verkehrssicherheit. Die Initiativen rechnen vor, dass eine einzige beidseitig betriebene digitale Werbeanlage im CityLightPoster-Format (etwa zwei Quadratmeter Werbefläche) bei einem durchgängigen Betrieb einen jährlichen Energieverbrauch von gut 15.000 kWh hat – das entspräche etwa dem von 10 Einpersonenhaushalten oder 100 Kühlschränken, von Gerd Grözinger.

Internationale Studie: Klimapläne der Öl- und Gasindustrie zur Erreichung der Pariser Klimaziele völlig unzureichend

Eine Studie von Oil Change International aus den USA, an der urgewald und über 35 weitere Organisationen aus der ganzen Welt beteiligt waren, analysiert die jüngsten Klimazusagen von Ölmultis anhand von Mindestkriterien für die Einhaltung der im Pariser Klima-Abkommen festgelegten 1,5 Grad Celsius Erderwärmung. Die Analyse liefert neue Daten über die Klimabedrohung, die von kurzfristigen Expansionsplänen im Bereich der Öl- und Gasförderung ausgeht: Pläne, die im klaren Widerspruch zu der Schlussfolgerung der Internationalen Energieagentur (IEA) stehen, dass für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels keine neuen Öl- und Gasvorkommen mehr nach 2021 erschlossen werden dürfen. Investoren und Regierungen müssten sich engagieren, um aus dem instabilen “Boom-Bust-Zyklus” der fossilen Energiewirtschaft auszubrechen.

Ein Großteil der Erdgas-Unternehmen ignoriert weiter klimaschädliche Methan-Emissionen

Das Treibhausgas Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas und kann bei Förderung, Verarbeitung und Transport, also entlang der gesamten Erdgaslieferkette, in die Atmosphäre entweichen; die Methan-Emissionen der Gasindustrie allein sind für 0,1 Grad Erderwärmung verantwortlich. Derzeit beruhen die in Deutschland geltenden Regelungen zum Umgang mit Leckagen auf einer “technischen Selbstverwaltung” durch die Erdgaswirtschaft: Anstatt regelmäßiger Überprüfungen durch die zuständigen Behörden wird davon ausgegangen, dass der Stand der Technik durch die Betreiber eingehalten wird. 70 Prozent der Methan-Emissionen des Öl- und Gassektors könnten relativ einfach mit der derzeitigen Technologie vermieden werden – 45 Prozent davon sogar ohne Nettokosten für die Unternehmen –, doch es scheitert an der Ignoranz der Energieunternehmen, die sich dem Klimaschutz verweigern.

“Defuel Russia’s War Machine” schlüsselt weltweite Joint Ventures mit russischen Öl- und Gasunternehmen und Finanzierer der fossilen Industrie Russlands auf

Recherchen der deutschen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und der russischen Umwelt-NGO Ecodefense zu dem russischen fossilen Sektor und den Banken und Investoren hinter ihr sind nicht in Einklang zu bringen mit den Solidaritätsbekundungen der globalen Finanzindustrie mit der Ukraine. Nur eine Handvoll Energieunternehmen haben den Rückzug aus Russland angekündigt, die Mehrheit macht weiter wie bisher. Die Geschäftsführerin von urgewald: “Diese Unternehmen gefährden schon lange unser Klima, nun unterstützen sie auch Putins grausamen Krieg gegen die Ukraine.”

NGOs veröffentlichen die “Global Oil & Gas Exit List” auf der COP 26 in Glasgow

Die Finanzindustrie verspricht öffentlich “Net Zero”, unterstützt aber weiterhin uneingeschränkt die Expansion der Öl- und Gasindustrie. Die derzeit geplanten Öl- und Gaspipelines würden für die halbe Strecke bis zum Mond reichen. Dies beispielsweise geht aus der “Global Oil & Gas Exit List” (GOGEL) hervor, der weltweit ersten öffentlichen, umfangreichen Datenbank zu Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie, vorgestellt von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und mehr als 20 internationalen Partner-NGOs im Rahmen des UN-Klimagipfels 2021 in Glasgow.

Bundesregierung sabotiert durch Bürgschaften für die Öl- und Gasindustrie internationale Energiewende

Mit der Förderung von Öl- und Gasprojekten im Ausland heizt die Bundesregierung die Klimakrise weiter an. Ein aktueller Bericht der Umweltorganisationen urgewald und Deutsche Umwelthilfe belegt, dass klimaschädliche Öl- und Gasprojekte mit milliardenschweren Bürgschaften gefördert werden. Der Bericht basiert auf Zahlen, die von der Bundesregierung erstmals über eine Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz den beiden Organisationen zugänglich gemacht wurden; die untersuchten klimaschädliche Öl- und Gas-bezogene Exportkreditgarantien sowie Ungebundene Finanzkreditgarantien für den Zeitraum 2015 bis Mai 2021.

Studie: Sojaöl im Diesel deutlich klimaschädlicher als bisher bekannt

Bis 2030 läuft die Beimischung von Palmöl zum Diesel in der EU aus. Die dadurch entstehende Lücke sollte nun aber auf keinen Fall durch Soja-Diesel oder andere Anbaukraftstoffe geschlossen werden. “Soja im Agro-Diesel ist ein starker Treiber der Waldzerstörung, weil für die gewaltigen Sojafelder Südamerikas die dortigen einzigartigen Ökosysteme zerstört werden”, so Transport and Environment, die Dachorganisation von nichtstaatlichen europäischen Organisationen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich; bislang unterschätze die EU die Gefahr für das Klima, die vom steigenden Sojaanbau ausgehte.

Deutsche Umwelthilfe: Wie die intime Beziehung zwischen Gaslobby und Wirtschaftsministerium Klimaschutz torpediert

Im vergangenen Jahr hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Vertreter der Gasindustrie zu unzähligen Arbeitsgruppentreffen eingeladen, Umweltverbände dagegen wurden im Rahmen des Dialog “Gas 2030” lediglich zwei Mal empfangen. Dies legt die Deutsche Umwelthilfe in einem Beitrag für den Bericht “Tainted Love – Corporate Lobbying and the upcoming German EU Presidency” offen, veröffentlicht vom Corporate European Observatory und LobbyControl anlässlich der anstehenden EU-Ratspräsidentschaft der Bundesregierung. Die Lobbyaktivitäten der Gaswirtschaft wecken die Sorge, dass fossile Unternehmen die anstehende sechsmonatige deutsche EU-Ratspräsidentschaft stark beeinflussen werden; gerade zum Themenschwerpunkt Gas stehen zahlreiche europäische Initiativen auf der Agenda.

Fracking muss in Deutschland verboten bleiben!

Im Bericht der “Expertenkommission Fracking”, der am 30. Juni 2020 dem Deutschen Bundestag vorgelegt wird, fehlen wesentliche Inhalte: Die Klimaverträglichkeit sowie Erdbebenrisiken durch Fracking werden nur unzureichend beachtet, obwohl sie für die Bewertung der Fracking-Technologie wesentlich sind. Fracking ist mit hohen Methanemissionen verbunden, die den Treibhauseffekt stark anheizen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert: “Fracking muss in Deutschland verboten bleiben, gefracktes Gas darf auch nicht als Flüssigerdgas nach Deutschland importiert werden.”

Deutsche Umwelthilfe: LNG-Terminal bei Wilhelmshaven ist nicht genehmigungsfähig

Das geplante LNG-Terminal bei Wilhelmshaven sei aus Umwelt- und Sicherheitsgründen nicht genehmigungsfähig, sagt ein Rechtsgutachten, das die Deutsche Umwelthilfe in Berlin vorgestellt hat. Das Terminal soll dem Import von verflüssigtem fossilem Erdgas (liquefied natural gas, LNG) dienen, unter anderem Fracking-Gas aus den USA. Mit Beschluss von Juni 2019 tragen die Kosten für den Anschluss an das Erdgasnetz nicht mehr die LNG-Investoren, sondern per Umlage der Gaskunde.

G20 noch nicht auf Kurs zu Pariser Klimazielen – Kohle und Verkehr sind größte Problembereiche

82 Prozent ihrer Energie beziehen die G20-Staaten noch immer aus Kohle, Öl und Gas. Bezogen auf den gesamten Energiemix sind die G20 also noch deutlich mehr braun als grün. Gerade beim Kohleausstieg hakt es: Die Länder mit der höchsten Kohleabhängigkeit haben die größten Schwierigkeiten, beim Zurückfahren der Kohleverstromung schnell voranzukommen. Dies sind einige Kernaussagen des im Vorfeld des G20-Gipfels vorgestellten “Brown to Green”-Reports der internationalen Initiative Climate Transparency.

MISEREOR fordert Ende von Kohleimporten und -Verstromung in Deutschland

2018 enden die Subventionen für den Steinkohlebergbau in Deutschland und die letzten Zechen in Nordrhein-Westfalen schließen. Die Verbrennung von Steinkohle geht jedoch weiter: Ab 2019 werden deutsche Steinkohlekraftwerke vollständig mit importierter Kohle vor allem aus Kolumbien, Russland oder Südafrika betrieben. Dort verseucht der Kohlebergbau Flüsse, belastet das Grundwasser mit Schwermetallen und führt die hohe Konzentration von Schadstoffen in der Luft zu schweren Atemwegserkrankungen bei Arbeitern und Anwohnern. Zugleich sind Landraub und Gewalt immer wieder die Folge; es gibt Bedrohungen, selbst Morde an Menschenrechtsverteidigern und Aktivistinnen, die sich für die Rechte der betroffenen Bevölkerung einsetzen.

„Europäischer Energieatlas 2018“ veröffentlicht: Die Energiewende gelingt nur europäisch

Heinrich-Böll-Stiftung, Green European Foundation, European Renewable Energies Federation und Le Monde Diplomatique haben den „Energieatlas 2018 – Daten und Fakten über die Erneuerbaren in Europa“ veröffentlicht. Der Atlas enthält Daten und Grafiken zu den drängendsten Herausforderungen der Energiewende in Deutschland und Europa. Die aktuellen europäischen Ziele für Energie-Effizienz und Erneuerbare Energien seien unzureichend und hemmten Innovation und Entwicklung, so die Herausgeber.