Agrar: Welternährung

 

Welternährung, Klimagerechtigkeit, Menschenrechte und Schutz der Biodiversität gehören zusammen

Trotz stark wachsender Agrarproduktion steigt seit fünf Jahren weltweit der Hunger kontinuierlich an. Diese Zunahme hängt mit dem Klimawandel, mit dem Verlust an Biodiversität und mit der Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Zoonosen zusammen – als Folge der Verdrängung bäuerlicher Landwirtschaft durch industrielle Agrarproduktion. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN fordern eine grundsätzliche Umgestaltung der Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren – und auch, wie wir uns kollektiv gegen die Ausbeutung der Natur wehren: Notwendig ist eine viel engere Zusammenarbeit der Bewegungen für Klimagerechtigkeit, Ernährungssouveränität und Menschenrechte.

Industrielle und konzerndominierte Ernährungssysteme von Politik und internationalen Abkommen privilegiert, die Hungerzahlen steigen das fünfte Jahr in Folge

Laut aktuellem Welternährungsbericht ist die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr um zehn Millionen angestiegen, bis Ende des Jahres 2020 wird durch COVID 19 ein weiterer Anstieg um 80 bis 130 Millionen befürchtet. Mehr als 20 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren sind in ihrem Wachstum beeinträchtigt. In einer Stellungnahme weist die Menschenrechtsorganisation FIAN darauf hin, dass der enge Fokus auf Produktionssteigerungen weniger Agrargüter, wie bei der industriellen Lebensmittelversorgung und im Zuge der aktuellen Corona-Maßnahmen gefördert, den Hunger nicht mindert.

Hunger in Afrika: Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) scheitert an selbstgesteckten Zielen

Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) wollte durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemitteln und industriell gezüchtetem Saatgut Erträge und Einkommen für Kleinbauern und -bäuerinnen in Afrika verdoppeln und ist damit gescheitert. AGRA treibt kleinbäuerliche Erzeuger*innen immer weiter in die Armut und zerstört dabei ihre natürlichen Lebensgrundlagen. Die Bäuerinnen und Bauern werden gedrängt, teures Hybridsaatgut von Konzernen zu kaufen, das nur in Kombination mit Düngemitteln funktioniert, die sich die Menschen eigentlich gar nicht leisten können; traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel werden verdrängt.

Welternährungstag: Diskriminierung von Frauen bremst Überwindung des Hungers

Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN betonen in ihrem aktuellen “Jahrbuch zum Recht auf Nahrung”, dass Frauen eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Hunger und bei der Ernährungssicherheit zukommt. Weltweit lebt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO beinahe jeder vierte Mensch in der Ungewissheit, ob es am nächsten Tag ausreichend und qualitativ gute Nahrung gibt. Frauen und Mädchen sind stärker betroffen als Männer; verantwortlich dafür sind vor allem ihre fehlende rechtliche Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land.

Zahl der Hungernden weltweit im dritten Jahr in Folge gestiegen: Kehrtwende bei Agrarpolitik unerlässlich

Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2018 im dritten Jahr in Folge gestiegen, hauptsächlich aufgrund von Konflikten und Klimaextremen. Um diese strukturellen Ursachen des Hungers anzugehen, braucht es eine Kehrtwende in der Agrarpolitik hinzu agrarökologischen Ansätzen. Dabei werden ökologische und menschenrechtliche Prinzipien angewandt, die Einkommen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen gestärkt sowie ihre Unabhängigkeit und Teilhabe gefördert.

Politik gibt ungenügende Antworten auf den globalen Hunger

Die Bundesregierung muss konsequent die menschenrechtlichen Risiken ihrer Handels- und Klimapolitik sowie ihrer Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft in der Entwicklungspolitik prüfen. Kleinbäuerliche Produzenten in armen Ländern werden vom Markt gedrängt und ihre Lebensgrundlagen bedroht. Diese Entwicklung wird durch die Klimakrise verstärkt; Ernte- und Einkommensverluste von kleinbäuerlichen Betrieben in armen Ländern sind die Folge.

End of Fish Day 2019

Die europäischen Gewässer gehören zu den ökologisch am stärksten belasteten Meeresregionen der Welt und sind darüber hinaus überdurchschnittlich stark überfischt. Am 5. April verbraucht Deutschland rein rechnerisch die letzten unter deutscher Flagge gefangenen oder in Aquakultur erzeugten Fische und Meeresfrüchte für das laufende Jahr 2019. Die industrielle Fischerei führt zu verheerenden Umweltschäden und gefährdet letztlich auch die Ernährungssicherheit der Küstengemeinden im globalen Süden, da industrielle Fangflotten den lokalen Kleinfischern die Lebens- und Überlebensgrundlage wegfischen.

Wachsender Einsatz privater Gelder nicht geeignet, Hunger und Armut strukturell zu bekämpfen

Die Studie “Agrarkonzerne und Finanzindustrie: Die neuen Lieblinge der Entwicklungszusammenarbeit?” widerspricht der Aussage, wonach nur mit Investitionen des Privatsektors die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) erreicht werden können. Durch Kooperation mit Agrarkonzernen werde die Landwirtschaft – vor allem auf dem afrikanischen Kontinent – zu marktförmigen und inputintensiven Systemen umstrukturiert. Entsprechende Initiativen setzten vor allem auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Hybridsaatgut; damit dienten sie in erster Linie den Expansionsbestrebungen großer Konzerne, die große Masse afrikanischer Kleinbauern und -bäuerinnen gerieten in immer stärkere Abhängigkeiten.

Digitalisierung löst das Hungerproblem nicht

Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN legen in ihrem aktuellen “Jahrbuch zum Recht auf Nahrung” dar, welche Folgen es haben wird, wenn Finanzmärkte und Agrarkonzerne mit Hilfe der Digitalisierung die Kontrolle über Ressourcen wie Boden, Wasser und Saatgut übernehmen und die Produktion von Nahrungsmitteln vom Menschenrecht auf Nahrung abgekoppelt wird. Für die Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe weltweit bietet die Digitalisierung keine Lösungen an, sondern verschärft ihre Probleme.

UN Welternährungsbericht: Inkohärente Politik Deutschlands trägt zum Hunger in der Welt bei

Laut Welternährungsbericht 2018 der Vereinten Nationen sind Armut, Umweltzerstörung sowie Krisen und Konflikte die Haupttreiber von Hunger. Sie sind menschengemacht, fehlgeleitete Politiken wie die Kohle- und Handelspolitik auch in Europa tragen zum Hunger in armen Ländern bei.