UN-Migrationspakt vor Verabschiedung – Zivilgesellschaftliche Organisationen besorgt über Menschenrechtsverletzungen gegenüber Migranten

 

(Aachen/Berlin 5. Dezember 2018) Anlässlich des anstehenden UN-Gipfels in Marrakesch und des heute angelaufenen „Global Forums on Migration and Development (GFMD)“ mahnt MISEREOR, den Wert des Migrationspaktes für die Einhaltung der  Menschenrechte zu würdigen, statt ihn weiter innenpolitisch zu instrumentalisieren.

Es geht um fragwürdige Abschiebepraktiken. Um Menschen, die schutzlos in der Sahara ausgesetzt oder im Nirgendwo kaserniert werden – etwa auf der Pazifikinsel Nauru vor Australien. Hilfsorganisationen erhalten dort keinen Zugang. Es geht um Menschen, die auf ihrem Weg Willkür und Missbrauch erleben und keine Chance haben, medizinisch behandelt zu werden, wenn sie erkranken: „In vielen Teilen der Welt sind Migrantinnen und Migranten schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Das zeigen einmal mehr die Diskussionen unter den zivilgesellschaftlichen Organisationen im Vorfeld des UN-Gipfels“, berichtet Jonas Wipfler, MISEREOR-Experte für Flucht und Migration aus Marrakesch. „Sie können ihre Rechte oft nicht geltend machen, weil es nichts gibt, auf das sie sich berufen können.“ MISEREOR, das Werk für Entwicklungszusammenarbeit, fordert deshalb ein größeres, gemeinsames Engagement der Weltgemeinschaft für die Rechte von Migranten.

UN-Menschenrechtserklärung ist Zeichen weltweiter Humanität

„Zu Recht wird die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die sich am 9. Dezember 2018 zum 70. Mal jährt, als wichtiges Gut der gesamten Menschheit und Symbol einer länderübergreifenden Humanität geschätzt“, so Wipfler weiter. Hierauf gelte es, sich zu besinnen. „Wenn ebenfalls Anfang kommender Woche der UN-Migrationspakt hier in Marrakesch verabschiedet wird, dann ist dies ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Menschenrechte für eine Gruppe, deren Rechte häufig missachtet wird.“

Hilfe und Schutz für Migranten

Jonas Wipfler hat selbst  improvisierte Camps und Aufnahmezentren für Migranten besucht, die in Marokko ankommen und weiß, dass sie bei allen staatlichen Bemühungen oft unter schwierigsten Verhältnissen leben. „Der ‚Global Compact for Migration‘ setzt den Rahmen dafür, dass weltweit Zugänge zu Basisdienstleistungen für Migranten geschaffen werden, dass mehr Integrationsarbeit geleistet und der Austausch zwischen Migranten und aufnehmenden Gemeinden gestärkt wird ‑ in Europa, aber gerade auch in solchen Ländern, die dieses Thema bislang ignorieren.“

MISEREOR unterstützt zum Beispiel in Marokko Aufnahmezentren, die Migranten mit dem Nötigsten versorgen, unter anderem eine Basisgesundheitsversorgung bereitstellen und Hilfestellung bei Behördengängen leisten. Zudem werden Bildungsangebote gemacht und Begegnungen mit den Aufnahmegemeinden organisiert.