urgewald-Analyse: Weltbank vertreibt weiterhin Menschen von ihrem Land

 

(Bali Nusa Dua, 11. Oktober 2018) Eine neue Analyse der NGO urgewald zeigt, dass die Weltbank immer noch in vielen ihrer Entwicklungsprojekte Menschen umsiedelt. urgewald hat 1.920 Projekte überprüft, die von der Weltbank in den letzten vier Geschäftsjahren genehmigt wurden. Zwischen 37,2 Prozent und 40,1 Prozent der Projekte standen im Zusammenhang mit möglichen Umsiedlungen:

  • 37,2 Prozent im Geschäftsjahr 2015,
  • 39,7 Prozent in 2016,
  • 37,7 Prozent in 2017 und
  • 40,1 Prozent in 2018.

Dazu zählen Straßenbau-, Bergbau- oder Agrarprojekte. Die Jahrestagung der Weltbank findet vom 12. bis 14. Oktober 2018 in Nusa Dua auf der indonesischen Insel Bali statt. Die Studienergebnisse erhöhen den Druck auf die Vorstände der Weltbank und ihren Präsidenten Jim Yong Kim, mehr zu tun, um den Schutz betroffener Menschen sicherzustellen.

Im Jahr 2015 musste Kim Mängel bei Umsiedlungsprojekten der Bank eingestehen, nachdem das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) einen ausführlichen Bericht dazu veröffentlicht hatte. Die Journalisten hatten herausgefunden, dass zwischen 20 und 30 Prozent aller Projekte von 2004 bis 2013 wahrscheinlich zur Umsiedlung von Menschen geführt haben. Schätzungsweise 3,4 Millionen Menschen seien aus ihren Häusern beziehungsweise von ihrem Land vertrieben worden oder hätten anderweitige Verletzungen ihrer Existenzgrundlagen erlitten.

Um zu überprüfen, wie die Bank auf diese dramatischen Ergebnisse reagiert hat, hat urgewald die jüngeren Projekte analysiert. Knud Vöcking, urgewald-Campaigner zur Weltbank, sagt: „Unsere Analyse liefert Hinweise darauf, dass die Weltbank die Menschen in ihren Projekten immer noch nicht genug schützt. Umsiedlung ist nach wie vor gängige Praxis, insbesondere bei Projekten in Afrika, Ostasien und im Pazifikraum. Die Bank muss endlich aufhören, die Vertreibung von Menschen als Kollateralschaden zu betrachten.“

Die Analyse von urgewald umfasst alle genehmigten Projekte im öffentlichen Sektor von Juli 2014 bis Juni 2018, die auf den Webseiten der Weltbank veröffentlicht wurden. In vielen Fällen fehlten grundlegende Angaben zu den Umsiedlungsprojekten. Beispiel Geschäftsjahr 2018: Die Bank gab nur in 26,9 Prozent der 175 Projekte im Zusammenhang mit Umsiedlung die Zahl betroffener Menschen an.

Vöcking sagt: „Es ist schockierend zu sehen, dass in so vielen Fällen grundlegende Informationen zu den Projekten fehlen. Uns macht es fassungslos, dass die mächtigste Entwicklungsbank der Welt so nachlässig ist, wenn es um Projekte geht, die die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zerstören können.“

In Bali werden die Weltbank-Gouverneure über eine Erhöhung der jährlichen Darlehenssumme von 60 Milliarden auf 100 Milliarden US-Dollar entscheiden. Vöcking: „Dies wird den Druck erhöhen, das Geld schneller auszugeben. Nach unserer Erfahrung bedeutet dies einen Verlust von Kontrolle und weniger Schutz für Mensch und Umwelt.“