Zwei Jahre Freihandelsabkommen Ecuador-EU: mehr Ausbeutung statt versprochener Wohlstandsgewinne

 

(Berlin, 27. März 2019) Mehr Ausbeutung statt versprochener Wohlstandsgewinne – das ist die Erfahrung von Beschäftigten in der Bananenindustrie Ecuadors zwei Jahre nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der Europäischen Union (EU). Der Handelsvertrag sollte zu mehr Fairness, Nachhaltigkeit und Umweltschutz führen. Doch eine Untersuchung im Auftrag der ecuadorianischen Gewerkschaft ASTAC konstatiert eine deutliche Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse, schlechter Bezahlung und der Missachtung von Gewerkschaftsrechten. ASTAC hat deshalb Beschwerde bei der Regierung Ecuadors eingelegt und trifft am 28. März EU-Vertreter*innen. Unterstützt werden die Gewerkschafter*innen von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Oxfam.

Der ecuadorianische Bananenmarkt boomt, die Exporte beziffern sich auf über drei Milliarden US-Dollar. Die EU ist der wichtigste Absatzmarkt, ein Großteil der Früchte landet in Italien und Deutschland. Doch die Wohlstandsgewinne kommen bei den Beschäftigten nicht an. Eine Studie des Instituto de Estudios Ecuatorianos (IEE) kommt zu dem Ergebnis, dass seit Inkrafttreten des Abkommens zwischen der EU und Ecuador die Arbeiter*innen auf den Bananenplantagen kürzere oder gar keine Arbeitsverträge erhalten, unbezahlte Überstunden zugenommen haben, der Mindestlohn unterlaufen wird und international verbriefte Gewerkschaftsrechte missachtet werden.

„Insgesamt hat die Ausbeutung der Beschäftigten stark zugenommen“, resümiert die ecuadorianische Rechtsanwältin Nadia Alvarado, die für ASTAC eine Beschwerde bei der Regierung Ecuadors führt. Denn die beschriebenen Zustände laufen den Garantien in Kapitel IX des Abkommens zuwider, das die Unterzeichnerstaaten dazu verpflichtet, die Einhaltung von Menschenrechten und ökologischen Standards sicherzustellen.

Gewerkschafter fordern unabhängige Untersuchung und Aktionsplan

Anahí Macaroff, Mitautorin der Studie, sowie ASTAC-Anwältin Nadia Alvarado fordern eine unabhängige Untersuchung und einen Aktionsplan, um die Situation für die Beschäftigten in Ecuador zu verbessern. Das Handelsabkommen mit der EU wurde in Ecuador mit dem Argument unterzeichnet, dass man sonst nicht die gleichen Zollvergünstigungen erhalten würde wie die Konkurrenz in Kolumbien, Peru und Mittelamerika. Der freie Handel sollte aber zugleich fair und nachhaltig sein, so das Versprechen. „Die EU muss jetzt Farbe bekennen: Sie ist mitverantwortlich für die Situation, die durch das Abkommen entsteht und muss darauf drängen, dass Menschenrechte in den Herstellerländern eingehalten werden“, fordert Frank Braßel, Sprecher von Oxfam Deutschland. „Der Preiskampf der europäischen Supermärte trägt dazu bei, dass Bananen immer billiger, die Beschäftigten auf den Plantagen aber immer schlechter bezahlt werden“, so Braßel.